Ehrlichkeit…

…wird doch von Hause aus überbewertet, findet ihr nicht auch?

Erst vor wenigen Tagen wieder lachte und litt ich bei „Sex and the City 2″ im TV. Doch schon bei der Premiere hielt ich es für einen verf#*“ Riesenfehler, dass Carrie ihrem Mann in einer Szene einen Kuss beichtet, den sie – fernab der Heimat – mit ihrem Ex-Partner teilte. Was bitte, außer der eigenen Gewissenserleichterung auf Kosten des totalen Vertrauensverlustes dem Partner gegenüber, soll DAS bringen? Auch mich lehrte mein „früheres Leben“ Begegnungen dieser Art. So betrachtete ich aber beispielsweise eine Affäre kurioserweise nie als Fehltritt meinerseits. Bis heute nicht! Ganz klar und nüchtern empfand ich sie als Arznei, um „unsere“ damalige Beziehung zu kurieren. Ich liebte meinen Partner abgöttisch und zog der schmerzhaften Trennung die „kleine Flucht“ in die Arme eines Anderen vor. Einem Mann, der mir das geben konnte, was mir zu dem Zeitpunkt vom Partner versagt blieb. Also sah ich es als rechtens. Aber hatte ich jemals vor, zu beichten? Nein. Hatte ich je ein schlechtes Gewissen DABEI? Herrgott nochmal, nein! Im Leben hätte ich meine schon in`s Aus laufende Beziehung und meinen geliebten Partner DAMIT nicht belastet. Nichts wäre gerettet, sondern nur der Partner seines Vertrauens in mich und meiner Liebe zu ihm beraubt worden. Ich verliebte mich sogar Hals-über-Kopf in meine Affäre und hatte nun daran zu knabbern, mir dies nicht anmerken zu lassen. Aber das saß ich mit mir ganz allein aus. Meine Entscheidung, mein Handeln, mein Leiden. Hätte ich zuvor je gedacht, einmal untreu sein zu können? Nie, nie, nie. Aber es KANN passieren. JEDEM von uns. Und ich bin da wohl auch kaum die Einzige. Jeder hat so seine Leichen im Keller. Aus dieser Erfahrung heraus zweifele ich oft an dem so heldenhaften Charakterzug der Ehrlichkeit. Kennt ihr doch alle. Gebt`s zu! Auch Notlügen werden ab und an gebraucht, um einen geliebten oder geachteten Menschen – privat wie beruflich – nicht zu verletzen. Teils, um ungeliebten Fragen aus dem Weg zu gehen. Und teils aus Selbstschutz, weil man seine Aufgaben vernachlässigte oder gar vergaß. Ein Uni-Professor stellte vor einigen Jahren fest, dass wir bis zu 200 Mal am Tag lügen. Bis zu 200!!! 😮 – Nun gut, da gehöre auch schon das gängige „Guten Morgen“, welchen wir an dem Tag als gar nicht GUTEN Morgen empfänden, schon dazu…

Wie ich ausgerechnet heute darauf komme? Gestern Nacht wieder meines Schlafes beraubt musste ich mit zwei Frauen namens „Thelma & Louise“ als Gesellschaft vorlieb nehmen. Der Satz, der das Rennen machte und hängen blieb, war von einem Mann. Von IHM als Partner an SIE gerichtet:

„Stell mir keine Fragen, dann erzähl ich dir auch keine Lügen.“

Genau DAS ist es auch, was ich letztes Jahr von den Männern lernte. WILL ich als Frau wirklich ALLES wissen?

– Denn frage ich, ob ich die Einzige bin und es folgt ein verlogenes „Ja“, werde ich über früh oder lang eh verletzt. Wird es ehrlicherweise gleich verneint, verletzt es mich zunächst auch nur. Gibt mir einer zu verstehen, er müsse aus seiner Gefühlsregung heraus unsere Intimität beenden, wünschte ich mir, ALLES AUßER DER WAHRHEIT von seinen Lippen zu lesen. Warum also nicht lieber gleich die Klappe halten und unwissend und „rein“ genießen? Andererseits möchte auch ich wissen, woran ich bin. Und genau da differenziere ich mittlerweile. Hatte ich mir zuvor ganz selbstredend einen treuen und ehrlichen Partner gewünscht, käme ich nun auch mit einem „Freiheitsliebenden“ klar. Ich war selbst verwirrt. Und doch lehrte es mich das Leben. Das haben doch weder die Männer noch ich erfunden, dass es möglich ist. Möglich, mehr als einen Menschen zur gleichen Zeit genau so intensiv zu lieben. Und auch möglich, einen Menschen aus vollstem Herzen zu lieben, der aus seiner Untreue keinen Hehl macht. Vielleicht wird sich meine Einstellung diesbezüglich eines Tages erneut ändern. Wenn das Leben es so will. Im Moment lebe ich mit dieser „offenen“ Art der Männer ganz gut. Wünsche ich klare Entscheidungen, so bitte ich um Ehrlichkeit und MUSS damit klar kommen. Will ich einfach nur die Momente genießen, halte ich meine Klappe. Bloß keine Details! Und so lange ich mich nicht verletzt FÜHLE, werde ich einen Teufel tun, daran was zu ändern. … Also, Cheers. Auf die Vielfältigkeit der Liebe! <3

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