Ein Baby…

…ist wie ein Tattoo im Gesicht. Wäre nicht übel, sich das zweimal zu überlegen.

– Oh, nein. Nicht von mir. Vielmehr ein Zitat aus dem Film „Eat Pray Love“ mit Julia Roberts. Zu Weihnachten! Dem Fest der Familie. 😉 Ein Zitat, das mich aus ihrer extrem langweiligen bla-bla-ich-entdecke-mich-jetzt-selbst-durch-Spaghetti-essen-in-Italien-und-beten-in-Indien-Tortur hochschrecken ließ. Nicht, dass ich nicht derbe oder schwarzhumorige Sprüche mag. Aber so drastisch formuliert schockte diese spröde Feststellung selbst mich. 

Den Film zuvor schon als Zeitverschwendung betrachtet, begann nun vollends ungefragt ein Gedankenkarussel seine Auf- und Ab-Runden in meinem Kopf zu drehen. Stellt euch eines dieser alten Pariser Karussels vor. Die mit den weißen, galoppierenden Pferdchen, dem feinen sie umgebenden Geschirr, eingerahmt von opulentem, gold ausgeschmücktem Erzählwerk. Die Pferdchen verschwammen leider recht schnell. Und wurden ersetzt durch weiße Plakate mit dicken, schwarz gedruckten Stichworten „innere Uhr“, „Kinderwunsch“ und „zukünftiger Partner“. Und zu allem Übel hüpften sie doch tatsächlich frech vor mir auf und ab! Nein. Ich hatte nichts getrunken. Aber so „angeregt“ stellte ich einmal mehr fest: Ihr an nichts ändernden Gedanken könnt mich mal. Meine innere Uhr ist entweder defekt oder die Batterien tun`s einfach nicht mehr.

Eine vage Vorstellung meiner späteren Mutterrolle begann in der Pubertät, mit meinem ersten Freund. Umrissen sah ich mich selbst mit drei, ja, ich wiederhole, drei Kindern! Das „Schicksal“ von Einzelkindern, die oft zu ganz unausstehlichen Egoisten erzogen wurden, fand ich so unerträglich, dass ich mich selbst bis in`s Studium hinein täuschte, ich würde dieser Vorstellung von Familie auch eines Tages gerecht werden. Ich kann mich noch lebhaft an meine Verwunderung erinnern, als mir eine Arbeitskollegin – mir 12 Jahre voraus – offenbarte, sie und ihr Partner wollten keine Kinder. Ich fragte: Jetzt nicht? Und sie entgegnete: Nein, nie! Ich fühlte mich in dieser einen Sekunde wie vor den Kopf geschlagen. Weil Kinder bis dato einfach in meiner Lebensplanung ihren festen Kindersitz hatten. Was nie in meinem Kopf statt fand, war die Frage nach dem besten Alter, dem besten Zeitpunkt o.Ä. Ich hatte es als leisen To-do-Punkt auf meiner Liste der „Dinge“, die ich zwischen 30 und 40 in Angriff nehmen wollte. Nur richtig da war er nie, dieser vielbesprochene Wunsch. Diese heftige Sehnsucht, die – einige mögen mir den Vergleich verzeihen – ich immer empfand, wenn ich… einen Hund sah. 😮 Oh ja, ich kann schon Proteste ob des so unmöglichen Vergleichs hören. 

Mir egal. Ich sage oft in einfacher, aber anschaulicher Form, was ich denke und fühle. Und ich kann auf Grund meines jahrelangen Verlangens, mit einem Vierbeiner zu altern, doch nur zu gut nachvollziehen, wie erpicht einige Frauen und auch Männer auf`s Nachwuchs bekommen sind. Und genauso nüchtern und gesetzt stellte ich mit meinem letzten, langjährigen Partner fest, dass in unserer Beziehung kein Platz für Nachwuchs sei. Aus tiefster Überzeugung. Mit reinstem Gewissen. Leider immer wieder auf kopfschüttelnde Ungläubige stoßend. Aber dank einiger weniger gleichgerichteter Beiträge in Frauenmagazinen wurde ich darin bestätigt, dass ein Kind nicht DAS Nonplusultra einer Beziehung oder gar eines ausgefüllten Lebens sein muss. Und so vergingen die Jahre und ich dachte sogar schon über eine Sterilisation nach, um diesem ganzen ungesunden Pillengedöns zu entgehen.

Doch dieses Jahr – eines im Umbruch -, das, in dem ich mich nach fast 10 Jahren von meinem Partner trennte, ließ mich erstmals wieder über den eigenen Kinderwunsch sinnieren. Warum? Weil ich in diesem Jahr auf Männer stieß, die mir sehr viel bedeuten. Männer, die Kinder vergöttern. Und Männer, deren Zukunft ohne (weitere) in ihren Beschreibungen undenkbar klang. Ganz im Ernst, mit einem solchen Partner konnte ich mir plötzlich ALLES vorstellen. Nicht falsch verstehen. Diese einen-fast-verzehren-wollende Sehnsucht keimte noch immer nicht auf. Aber die Aussicht, mit einer neuen Liebe eine „echte“ Familie zu gründen, war plötzlich so ein kleines, wärmendes Feuer. Ein neuer Ansatz, der mich positiv nachdenklich stimmte. – Und so bin ich heute der Meinung, es kommt auf meinen zukünftigen Partner an. Ich werde immer selbst über mich und meinen Körper bestimmen. Ein hohes Alter bei der Geburt? Macht mir keine Sorge. Und den richtigen Zeitpunkt für ein Kind, den gibt es sowieso nie. Aber wenn`s sich bei einem Mann mal „richtig“ anfühlt, dann entscheide ich mich für so ein kleines Leben. Denn was ich mache, das mache ich mit Hingabe. Und so traue ich dem Schicksal zu, auch für mich noch eine eigene Familie vorgesehen zu haben, auch wenn ich`s jetzt noch nicht vor mir sehen kann. Nur wenn nicht, dann gräme ich mich auch nicht. Und mit dieser Theorie kann ich sehr gut leben. 🙂

Ganz passend schließe ich mit einem weiteren Zitat. Einem schönen. Einem positiven. Einem meiner Lieblings-Film-Zitate:

„Life is like a box of chocolates, you never know what you`re gonna get.“ (Forrest Gump)

 

2 Gedanken zu „Ein Baby…

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