Luxusproblemchen…

…kennt doch (fast) jeder von uns, oder?!

Ich öffne meinen auseinander berstenden Kleiderschrank und schimpfe: „Ein Schrank voller NIX.“ – Nix anzuziehen. – Also kaufte ich mir am Samstag den nächsten Mantel, der alle meine Probleme lösen wird. Ganz sicher wird er das…!!! 😉

Ich laufe mit voll geshoppten Tüten und ebenso gesättigtem Wohlstands-Bauch – definitiv kein Hungergefühl! – durch die Stadt und habe plötzlich Lust auf meinen Lieblingskuchen. Schwedischer Marzipanstreusel, yummie. Und was passiert? Da ist ausgerechnet der am Mittag schon ausverkauft. Und ich nun extrem quengelig und motzig! – Nein, ausgeschlossen, ein anderes Gebäck bringt mein zuckersüsses Lächeln definitiv NICHT zurück! 😮

Und ich erstehe eine Designer-Tasche – ÄHNLICH einer bereits geshoppten – weil Label und Farbe doch sooo anders sind. *räusper* – Wenngleich auch im Sale geshoppt, dann doch immer noch eine Stange Geld! Aber hey, wozu eigentlich? Als Schülerin kam ich doch auch mit nur einer schwarzen Handtasche ohne goldene Buchstaben darauf zurecht, bis sie auseinander fiel. 🙁

Und so reiht sich ein Kauf an den anderen. Ich gehe zum Kaiser`s, anstatt zum Aldi. Aber die haben nun mal mehr Lieblings-Produkte, auch wenn ich letztlich einen höheren Preis zahle. Ich kaufe mir schnell beim Rossmann einen Regenschirm, weil ich meinen zu Hause vergass. Das T-Shirt hier ist doch auch sooo süß. Steht wirklich „Miami-Fever“ drauf, wie Arsch auf Eimer ganz passend für mich gemacht! … Mann, Mann, Mann. Schon kompliziert, so ein Frauen-Leben. In solchen Momenten erschrecke ich mich über mich selbst und frage mich: Sind wir nicht alle schon verzogene Luxus-Schlampen?

Zumindest ab einem gewissen Alter, ab einem bestimmten Einkommen und mit einer sich über die Jahre einschleichenden, unverschämten Einstellung zum Habenwollen?

Und als es Samstag auch noch eine neue Tagesdecke gab – wohlbemerkt eine Zweit-Tages-Decke für EIN EINZIGES Bett! – und einen Gürtel, der noch nach seiner Verwendung sucht (!!!), aber UNBEDINGT sein musste, dachte ich so bei mir, wie verzogen bist du mittlerweile eigentlich?!?!? 🙁

Und dann startet mein Kopf-Ping-Pong:

Schwelge ich schon im Luxus? Auch ohne einen sexy SL vor der Tür? Ist mein Leben nur noch l(i)ebenswert durch Konsum? Und WAS genau IST Luxus?

Ist Luxus ein Synonym für Verschwendung? Ausschließlich gebunden an Geldwerte? Immobilien, Status-Karosserien, Pelze, teuren Schmuck? Nur materiell messbar? Ist er/sie/es eine verdiente Belohnung? Möglicherweise eine Ersatz-Droge? Funktioniert Luxus als Seelen-Tröster?

Zu meiner Weisheiten- und Zitate-Sammlung gehören diese beiden schon länger mit dazu:

„Luxus ist nicht das Gegenteil von Armut, sondern von Gewöhnlichkeit.“

(Coco Chanel)

„Der Höhepunkt des Luxus ist es, nicht nach dem Preis zu fragen.“

(Karl Lagerfeld)

Auf den ersten Blick vielleicht etwas ironisch, Coco Chanel und Karl Lagerfeld zu zitieren, weil beide mit der Marke Chanel *rrrrrrrrrrrr* maßgeblich begehrenswerten „Luxus“ erschufen.

Andererseits: Gabrielle Chanel wurde definitiv nicht reich im Sinne von vermögend geboren. Sollte Mademoiselle demnach nicht am besten wissen, was „Luxus“ beinhaltet? Gerade sie? Vom Tellerwäscher, pardon, von der im Kloster erzogenen, „kleinen“ Näherin zu einer der ehrgeizigsten und einflussreichsten Unternehmerinnen des 20. Jahrhunderts?

Nach Mademoiselle Chanel könnten auch winzige aussergewöhnliche Erlebnisse, Begebenheiten und Unternehmungen den immer gleichen Alltag in Zauberlicht tauchen. Momente des Luxus. Kleine Fluchten aus dem Alltagstrott, um sich des Lebens wieder zu erfreuen. Oder? – Ein Mittagsschläfchen mitten an einem Samstag? Dabei wollte ich doch noch Einkäufe erledigen, die Wohnung putzen, defekte Kleidung nähen, einen Blog-Eintrag schreiben… Bin dabei! Einfach nur erholsam, unheimlich dreist und tatsächlich Luxus. 🙂 Wie bitte? Sich einen Tag frei zu nehmen, mitten in der Gewohnheit der Arbeits-Woche? Jepp. Gerade gemacht, auch das empfinde ich als unverschämten Luxus. Grundsätzlich schon verrückt: Wer beruflich „für gewöhnlich“ ein hohes Arbeitspensum hat, für den ist die Zeit ein Luxus-Gut. Wer dagegen schon lange erfolglos versucht, beruflich wieder Fuß zu fassen, für den ist nicht die viele freie Zeit, sondern der ersehnte Job trotz all seiner möglichen Anforderungen (weiter Arbeitsweg, Überstunden) Luxus.

Merke: Luxus misst sich in Jedem von uns anders!

Karl Lagerfelds Aussage deutet Luxus ausschließlich als Vorhandensein genug schnöden Mammons. Oder? Ein Mann, der behauptet, nicht einmal zu wissen, wie viel Vermögen er besäße. Das passt. Er muss der Meister sein! 😉

Dennoch: Die Beschränkung des Luxus auf Geld allein ist zumindest mir zu kurz gefasst, denn nicht alles ist käuflich, oder? – Gesundheit, wahre Freunde, bedingungslose Liebe… Ist nicht auch all das LUXUS???

Aber Moment einmal. Mir geht`s doch derzeit nicht anders. Also ja, ich gestehe. Ich lebe im Luxus!

Ich besitze zwar keinen fahrbaren Untersatz – hätte ich nicht den Firmenwagen zur privaten Nutzung – und keine Eigentums-Wohnung, nein, auch kein Bankkonto, von dessen Wert allein ich mich die nächsten 10 Jahre ohne Job über Wasser halten könnte und ja, ich lebe nur in einem begehbaren Kleiderschrank mit Bett…

…aber ich habe keine Schulden, ein Dach über dem Kopf, einen guten Job, immer was zum Anziehen, ich muss nicht einmal darüber nachdenken, ob ich mir jetzt den Grießbrei beim Discounter hole oder ihn mir überhaupt leisten kann… und mein EINZIGES Bett besitzt ganze zwei (!!!) Tagesdecken. 😉

Und ja, ich habe eindeutig zu viele Klamotten, zu viele Taschen, zu viele Schuhe… denn auch ich habe nur einen Körper mit einem Kopf, zwei Armen, zwei Beinen und – ach, guck, zwei lackierten Füßen! 140 Paar Schuhe bedeuten zweifellos 139 Paar Luxus, doch sie machen mich glücklich. Und ich habe zu lange auf all das gewartet und hingearbeitet, als jetzt davon abzuschwören.

Dennoch fühle ich, dass dieser Luxus ALLEIN nicht glücklich macht. Nach dem Tod meiner Miss Liebreiz war plötzlich alles in meinen vier Wänden wertlos. Und ich weiss: Nur, so lange ich meinen Frechdachs RoMeo – meine eigene kleine Familie – um mich habe, kann ich mich an meinem kleinen Modezirkus ergötzen. Auch erfahre ich seit geraumer Zeit an diesem EINEN Körper Schmerzen durch Überbeanspruchung und fürchte, einen Teil meiner Gesundheit berufsbedingt einzubüßen. Wäre dies irreparabel, ja, auch dann wäre mein eigenes kleines Universum gestört und materielle Güter plötzlich nicht mehr so viel wert, als wäre noch alles im Gleichgewicht.

Merke: Luxus ist definitiv alles, was einen glücklich macht. Ob materiell oder nicht. Luxus ist Belohnung, zeitweise auch Ersatz-Droge und vielleicht auch Seelen-Tröster.

Luxus für mich ist schon, nicht auf jeden Cent achten zu müssen. Aber auch zu ERKENNEN, dass es mir gut geht. Nach Schicksalsschlägen wieder das Gleichgewicht zu finden und sich Schritt für Schritt in`s Leben zurück zu bewegen, eröffnet neue Sichtweisen und macht dankbarer. Aber auch ängstlicher. Angst vor den nächsten Verlusten. Glück ist immer nur von kurzer Dauer, aber diese kleinen Glücksmomente, in denen wir glückselig beieinander sind, uns die Seele aus dem Leib lachen und Tränen unser Make Up ruinieren dürfen, UND unser tägliches Zufriedensein BEWUSST erinnern zu können, ist in keiner Währung zu messen. Da spielt ein Preis im Sinne von WERT tatsächlich keine Rolle. Sorry, Karl.

– Lebenslang Ziele und Wünsche vor Augen zu haben und sich nur Stück für Stück das Ein oder Andere finanziell leisten zu können, sehe ich definitiv nicht als Manko, sondern als Würze des Luxus. Als Schüler, Azubi und Berufseinsteiger sein eigenes Auskommen zu verdienen und so langsam den Wert des Geldes kennen zu lernen, bewahrt einen ganz sicher vor so einigen Fehlentscheidungen und Enttäuschungen.

Und so neidvoll das auch klingen mag, aber eines kann und mag ich mir tatsächlich NIEMALS vorstellen: Wie ein Leben sein muss, in dem ich mir jeden Wunsch erfüllte und keinen Überblick hätte, wie viel Geld ich besäße. Keine Träume zu haben oder ohne die Frage nach dem Preis über`s Ohr gezogen zu werden, muss doch höchst unbefriedigend sein, oder?

Was meint ihr? Was ist Luxus für euch? Und was ist dran am erstrebenswerten finanziellen Luxus? Oder bedeutet Luxus am Ende womöglich doch etwas völlig, völlig anderes?

Chanel, Hermes, whatever...

P.S. Dieser Mode-Guru „erschien“ mir letzten Winter in der Münzstrasse in Mitte. Gesegnet sei das Shoppen in Mitte… 😉