Wenn ihr wüsstet…

…, was ich schon alles so werden wollte…!!! 😉

Auslöser für diesen Artikel war ein Kinder-Foto von mir. Und ich werde nie vergessen, wie es dazu kam… Aber der Reihe nach:

Als Kindergartenkind liebte ich bereits Schuhe. Meine Mom hatte einen kleinen Schuhschrank im Flur und ganz bezaubernde Schuhe für ihre zarten Füße. Wann immer Sohlen und Absätze repariert werden mussten, begleitete ich sie zu unserem Schuster. Keiner dieser seltsamen Ketten, die heute in den Einkaufszentren ansässig sind und denen zumindest ICH nichts zutraue, sondern ein richtiger, echter Schuster. Mit selbst gezimmerten Holzregalen voller Schuhe bis unter`s Dach der kleinen Holz-Kate. Halbschuhe, Sandalen, Stiefel… Kinder-, Damen-, Herren-Schuhe… ein kleiner rumpeliger Laden mit einem olfaktorischen Mix aus Holz, Leder, Leim und Lederpflege. Uns begrüßte ein älterer Herr mit dicker Leder-Schürze, ein richtiger Meister seines Fachs. Und ich staunte Bauklötzer, wenn er die Abhol-Nummer mit den Nummern der Schuhe verglich, uns das richtige Paar heraussuchte und die Augen meiner Mom strahlten, wenn sie die Schuhe so gut wie neu wieder mitnehmen konnte. Wieder daheim spielte ich meinen Traum und nahm (Mom`s) Schuhe imaginärer Kunden an und gab sie wieder „repariert“ ihren Besitzern zurück. Ganz klar, was ich werden wollte: Schuster! 🙂

Und die Liebe zu Schuhen blieb. Beweise? Können 140 Paar lügen?! 😉

1001 Shoes

Noch vor der 1. Klasse sattelte ich kurzzeitig auf Busfahrerin um. – Mom und Dad brachten jeden Abend ihre als ungültig gelochten Fahrkarten mit nach Hause und sammelten sie für mich in einer Schale im Flur. Ich baute mein Kindertheater im Wohnzimmer auf, stellte meinen „Busfahrerstuhl“ dahinter, platzierte den Badezimmer-Pimpel neben mich als Gangschaltung und schon konnten Mom und Dad mit ihren (abgelaufenen) Fahrkarten eine aufregende Busfahrt geniessen. 😉

Der Kindergarten war noch meine Hauptbeschäftigung, der ich in Vollzeit nachging, da wollte ich wohl das erste Mal beweisen, dass ich modisch was drauf habe, quasi ein Trendsetter bin! 😉 – Ok, ok. Eigentlich war`s aber so. Ich hatte schnell ein Böckchen, wenn`s nicht nach meinem Kopf ging. Typisches Einzelkind eben, bis ich 11 war… Also da keiner mit mir basteln wollte und meinte, Essen vorbereiten wäre in dem Moment wichtiger, schlich ich mich mit meiner Bastelschere mutig die Kellertreppe runter und schnitt mir – auf den Stufen sitzend – mit meiner Kinder-„Papierschere“ (!!!) den Pony. Mag sein, dass ich damals noch belächelt wurde… aber so ca. 30 Jahre später war`s Trend: Der schräge Pony. Jawollja!!! 🙂

baerlinerin Selbst geschnittener Pony

Dann kam die Schulzeit. Aus dem Hort kommend war ich noch immer so angeknipst von Mathe, Lesen, Schreiben, dass ich mich mit Tafel und Puppen voll und ganz dem Lehren hingab. Noch heute rechne ich gern Kopf und bin entsetzt, wie selten das Benutzen des Kopfes zum Rechnen noch verwendet wird und genervt, wenn ich der Kassiererin vor mir schon vorsagen will, was sie mir rauszugeben hat. Ja, in der „Grundschule“ hatte ich als Kind der 70er wirklich noch viel Spaß und selbstredend auch Respekt vor meinen Lehrern, also war Lehrerin ganz klar MEIN Traumberuf Nummer eins! 🙂

Zwischenzeitlich wollte ich das erste Mal Ärztin werden. Ich bekam – vielleicht auf Grund von Quengelei… *rotwerd*, aber wahrscheinlicher, weil ich süss war 😉 – eine echte Spritze aus Glas von meiner Kinderärztin geschenkt, die bereits unten im Hof zerbrach, erhielt Ersatz von meinem Opa, der mir einen kleinen Erste-Hilfe-Puppen-Koffer inkl. „Plaste“-Spritzen überreichte und schrieb wie eine Weltmeisterin mit einem Kugelschreiber (! …Kinder besaßen eigentlich nur Füllfederhalter, Bleistifte, Buntstifte und Filzstifte. Nur Erwachsene Kugelschreiber. Ja!) Rezepte für imaginäre Patienten.

Aber auch diesem Beruf ging ich fremd. So ab der 3. Klasse wollte ich nämlich Verkäuferin werden. Und das kam so: Ich bekam eine superschöne PIKO Kasse in rot-weiss geschenkt, die zwar nicht wie die heutigen Kinderkassen schon selbst addieren konnte, aber mit Tastendruck die gewünschten Zahlen anzeigte und ein wunderschönes Klingeln beim Kassenschublade-Öffnen ertönen liess. <3 Meine Mom und ich besuchten damals öfter einen richtig gemütlichen, weil klitzekleinen Kurzwaren-Laden mit Knöpfen, Stoffen, Borten, Haarspangen u.s.w., den es heute leider nicht mehr gibt. 🙁 Kennt ihr noch diese Mini-Läden von 10-12 qm, mit einem Holz-Ladenbau bis unter die Decke (ähnlich diesen uralten Apotheken damals), hunderten Schubläden und aussen dran befestigt sah man, was in der Schublade war? Ich wollte GENAU SO EINEN Laden haben. Später mal. Also übte ich mich daheim bereits im Knöpfe verkaufen aus dem Fundus meiner Mom. Mit meiner kleinen Kasse, randvoll mit Spielgeld. 🙂 – Und hätte ich mehr Platz, ich schwöre, ich hätte mir schon längst eine dieser wunderschönen alten, gusseisernen Ladenkassen vom Flohmarkt heim geholt. Einfach nur zum Anschauen und Anfassen. Sooo schön… *seufz*

In den folgenden Jahren ließ ich mir auch mal einen Metall-Baukasten schenken, aber es kam keine dauerhafte Begeisterung zum Techniker auf… ich bekam zu Weihnachten eine Zither, aber eine Musiker-Karriere strebte ich dann glücklicherweise doch nicht an… dann war da noch der Wunsch, Ballerina zu werden, jedoch begeisterte dies ausser mir nur meinen Dad, also sah ich die Ballettschule nie von innen… dann wollte ich noch Designerin werden und hatte wieder in meinem Dad meinen ersten Bewunderer… und ich liebäugelte sogar mit einer Karriere als Eiskunstläuferin, weil ich Kati Witt stundenlang hätte zuschauen können. Aber so viel Spaß hatte ich dann doch nicht auf den Kufen… 😉

Zwei Jahre vor der Wende erhielt ich im Beisein meiner Großcousine meine erste (Grusel-)Dauerwelle und bewunderte die coole, rothaarige Mutter meiner Freundin, die „Friseuse“ war. Also stand fest: Ich werde alle(s) mal schöner machen und werde Friseuse. Und montags hätte ich immer frei… 😉

Schnell wechselte mein Wunsch zum Beruf der „Stewardess„, war aber auch ebenso schnell schon wieder ad acta gelegt, weil unvorstellbar, dass gerade ICH einen Platz bei der Interflug bekommen sollte. 🙁

Weitere 2 Jahre später folgte meine erste Mascara. In blau. Die Ergebnisse waren bescheiden, aber das Experimentieren mit „Fan-“ und „Action“-Produkten (zwei hippe Marken unserer volkseigenen Produktion 😉 ) beeindruckte mich so sehr, dass ich folglich die Ausbildung zur Kosmetikerin anstrebte.

Und was soll ich sagen? Es wurde dann eine Ausbildung zur…

Hotelfachfrau! :-p

Doch wenn ich so Revue passieren lasse, was ich alles schon so beruflich trieb… hab ich mein Glück immer und immer wieder in allen bisher ausgeübten Berufen gesucht und gefunden. 🙂

6 Gedanken zu „Wenn ihr wüsstet…

  1. Ich bin erst vor Kurzen zufällig auf deinen Blog gestoßen und bin begeistert!
    Du schreibst sehr süß und sympathisch und dein Style gefällt mir sehr!!

    Du bist Schuld, dass ich jetzt Besitzerin dieser tollen Ash-Booties bin und das wird sicher nicht das Letzte sein, was ich, inspiriert wie ich von dir bin, nachkaufen werde 😀

    Ich bleibe dran, freue mich auf den nächsten Eintrag und grüße dich herzlichst, auch als ein Kind der 70er ;o)

    • …hahaha. Na gut. Ich bekenne mich schuldig. Schuldig der Anstiftung zum Schuh-Kauf! *lach* … Und wenn die Strafe in Form von Komplimenten wie deinen angesetzt wird, werde ich wohl zum Wiederholungstaeter mutieren. 😉 Ganz lieben Dank fuer deinen comment und fuehl dich hier bitte jederzeit wieder herzlich gern gesehen und gelesen. :-* Baerliner Gruesse, Elli

  2. Da hast du ja ein ziemliches Spektrum an Berufswünschen durchgemacht!
    Ich erinnere mich nur, dass ich zeitweise Lehrerin oder Sängerin werden wollte.
    Zum Glück habe ich aber dann noch die Kurve gekriegt: 🙂

    • …haha. Oh ja. Und irgendwie hab ich ‘s dann auch durch meine unterschiedlichsten Jobs geschafft, alle beruflichen Wuensche und persoenlichen Interessen im Grossen und Ganzen zu BEFRIEDIGEN. 🙂 Wo die “Aerztin“ sich in meinem Leben widerspiegelt? Nun ja, ich hatte schon etliche Male privat wie auch in frueheren Berufen mit “Patienten“ zu tun. Ooops, boese Elli! 😉 Aber Moment, einen vergass ich dennoch, zu erwaehnen: Prinzessin…!!! :-p

  3. Haha, das ist ja prima und das Bild! Ich hätte Dich darauf nicht wiedererkannt! Man muss so seine Kompromisse mit der Welt machen, aber ich bin meiner Linie immer treu geblieben… War aber auch nicht immer so einfach… Was ich daraus lernte, man sollte vorsichtig sein, mit dem was man sich wünscht, es könnte in Erfüllung gehen, ohne dass man die Konsequenzen dessen überblicken kann 😀

    • …wie, nicht erkannt? Ganz umsonst, der schiefe Pony??? :-p – Sag, wenn du deiner Linie treu geblieben bist… Meinst du, deinem ersten Berufswunsch? Oder etwa deine erste Frisur? 😉 Jetzt bin ich aber neugierig geworden. *grins*

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