Werden wir je das Ende…

…als solches begreifen können???

Eine Freundin verlor letzten Monat einen ihrer liebsten Menschen. Zwei weitere Freundinnen jeweils ihre schnurrenden Fellnasen. Addiert zu meiner Baia, ihrer Freundin Mina und so vielen weiteren Facebook-Vierbeinern, die Familienangehörige waren, einfach zu viel Leid und Trauer in unmittelbarer Nähe in 2013. ;-(

Und doch geht das Leben weiter.

Aber nichts ist, wie es einmal war.

Ich fühle mich plötzlich so klein und unbedeutend. – Weil ich nichts gegen den Lauf der Natur und diese Art von Schicksalsschlägen, die unsere Liebe am Leben überschatten, tun kann. – Weil ich mich tatenlos fügen muss. Weil ich mit ansehen muss, was ich nicht wahr haben will. Weil ich den Tod nicht akzeptieren kann. Weil ein Leben genommen wird, das mir eben noch voller Leben, Mimik und Gestik Freude und Kraft spendete. Weil ich ohnmächtig werde. Weil ich mich plötzlich allein fühle. – Selbst wenn Familie und Freunde meine Hand fest umklammern.

Jeder kann seine Liebsten so gut wie möglich beschützen… und ist dennoch machtlos, wenn der Tod übernimmt.

Und so beneide ich die Menschen und Kulturen, die gelernt haben, den Tod ebenso wie das Entstehen des Lebens zu begreifen. Ihm die gleiche Bedeutung beimessen. Menschen, die ihn akzeptieren, die ihn feiern, die ihn als einen Teil betrachten, der absolut dazu gehört. Zum Lauf unseres Erden-Lebens.

So wie die Geburt den Eintritt in unser Leben markiert, kann doch der Tod den Eintritt in eine viel angenehmere Phase des Seins bedeuten. Ja, warum denn nicht?

Was wissen wir Menschen schon vom Tod? Außer dem Schmerz, den wir mit dem Verlust einhergehend verspüren… g a r   n i c h t s !

* Es könnten so viele verschiedene Leben sein, die auf uns warten. Leben in Form von Wiedergeburten. Ein Kreislauf. Unendlichkeit. Alles passiert wieder und wieder. Wovor haben wir Angst? Schon bald sind wir alle Profis. Im Leben und im Sterben. 😉

* Oder vielleicht auch verschiedene Formen des Seins. Eine Art Weiterentwicklung. Weiterentwicklung durch Vereinfachung. Sein ohne Körper. Ohne Hülle. Ohne Zwänge. Zwänge in Form von Zeit und Raum. … Äußerlichkeiten? Termine? Wetter-Kapriolen? Ha. Alles schnurzpiepegal! 😉

* Jede Etappe mit der ihr eigenen Zeitrechnung. Und jede könnte so viel lebens- und liebenswerter als die vorherige sein. Vielleicht sogar viel, viel kürzer als in unserer jetzigen Auffassung von Zeit, aber umso erfüllter. 🙂

Warum öffnen wir diesen locker-leichten Spinnereien und Phantasien nicht einfach Tür und Tor und bitten sie herein wie einen gern gesehen Gast? Warum hadern wir mit unseren eigenen Gedanken. Warum glauben wir zur Abwechslung nicht einfach mal DARAN? – Gibt es gegenteilige Beweise? Nein. Und allein der Gedanke an solch neue Welten lässt mich fröhlich grinsend und kindlich staunend zurück… 🙂

Doch es sind nicht nur wir selbst, die wir uns im Weg stehen. Oft genug zwängt uns unser Umfeld in eine Position, die uns nicht gerecht wird.

Jeder ist seines Glückes Schmied? Ich bin mir da nicht so sicher.

Diese Woche lief eine Reportage über verwaiste Eltern. Während das eine Paar auch Jahre nach dem Tod ihres Sohnes noch durch jährlich gemeinsames Beisammensein und Lachen mit seinen Mitschülern gestützt wurde, erstarrte ein anderes Paar in seiner Trauer um ihre geliebte Tochter. Warum? – Weil sich Freunde und Kollegen abwandten, als litten die Eltern fortan an einer ansteckenden Krankheit. Weil eben jene Freunde und Kollegen nicht über das verlorene Kind und die Trauer sprechen konnten oder wollten. Weil ihre Tochter bei jenen keine Erwähnung mehr fand. Gefühlt, als ob sie niemals auch nur existierte! Und so zerbrachen Bande und verletzten die Eltern, die überdies noch immer ihre Trauer zu bewältigen hatten! 🙁

Sagt mir, in was für einer Welt leben wir? Was für Menschen umgeben uns? Menschen, denen Taktgefühl fehlt? Menschen, die sich selbst nur zu retten versuchen? Menschen, die überzeugt sind, Totschweigen und Vergessen lindere Trauer?

Jeder wird anders trauern.

Und jeder möchte sicher auch anders trauern.

Doch was kostet es UNS, kurz nachzufragen?

Nachzufühlen?

Ich wünschte mir ein Umfeld, dass lieber MIT mir redet, als über mich. Ein Umfeld, dass wenigstens versucht, sich in meine Situation hinein zu versetzen. – Nein, man muss nicht alles und jeden verstehen. Aber wie weit her ist es mit unserer Menschlichkeit, gar nicht erst den Versuch zu unternehmen?

Ich möchte niemals SO enden.

Ein Armutszeugnis.

Schicksalsschläge können jeden von uns ereilen.

Von einer Sekunde auf die nächste.

Auch dich.

Genau jetzt…

– Berührt?

In meinen Augen ist das gemeinsame Erinnern und Lachen die herzlichste und liebevollste Form, eines geliebten Zwei- oder Vierbeiners zu gedenken.

Nur SO weilen sie für immer UNVERGESSEN mitten unter uns. 🙂

Auch ich kenne die düsteren Momente, in denen man einfach nur allein sein, seinen Schmerz herausschreien und den Tränen ihren Lauf lassen will. – Man wünscht, sich eine Art Panzer auf Zeit um sein Herz legen zu können, um jegliches Leid auszusitzen. Getreu dem Motto: Trifft mich nicht, perlt an mir ab, lässt mich kalt…

– Aber warum zäumen wir das Pferd von hinten auf?

Wir Menschen können den Alterungsprozess verlängern. Wir vermögen, Krankheiten zu unterdrücken oder gar zu heilen. Aber dem Tod, dem können wir bis heute nicht das Handwerk legen.

Und da wir IHM nichts entgegensetzen können, müssen eben WIR lernen, ihm seine Schrecklichkeit zu nehmen. Oder?

Ihm die sommergesprosste Stirn bieten, ihm den Mittelfinger in die Nase bohren, ihn kindisch anrotzen und ihm ungefragt und dreist eine Leichtigkeit und Fröhlichkeit verleihen, die unserer Trauer den sich unendlich anfühlenden Schmerz nimmt. :-p

In gemeinsamen Gesprächen und in unseren Herzen leben sie doch weiter.

Alle, die wir kennenlernen und lieben durften. <3

Jene Seelen, die… hey… ja, die bereits vor uns eine möglicherweise neue „Welt“ entdecken dürfen.

Sich wundernd, warum wir ihnen nicht längst in die Leichtigkeit folgten.

Die uns ungesehen die Zunge rausstreckten.

Und uns am Ende unseres kurzen Erden-Lebens abholten und dorthin begleiteten.

– Na, DAS hoffe ich doch zumindest!!! 😉

Fuck death!

…und wieder mal in Berlin fotografiert. Ich nenn`s heute mal: Fuck Death! oder Nimm das Leben nicht zu ernst!

Joseph von Eichendorff

Auf meines Kindes Tod

 1

Das Kindlein spielt‘ draußen im Frühlingsschein,
Und freut‘ sich und hatte so viel zu sehen,
Wie die Felder schimmern und die Ströme gehen –
Da sah der Abend durch die Bäume herein,
Der alle die schönen Bilder verwirrt.
Und wie es nun ringsum so stille wird,
Beginnt aus den Tälern ein heimlich Singen,
Als wollt’s mit Wehmut die Welt umschlingen,
Die Farben vergehn und die Erde wird blaß.
Voll Staunen fragt ’s Kindlein: „Ach, was ist das?“
Und legt sich träumend ins säuselnde Gras;
Da rühren die Blumen ihm kühle ans Herz
Und lächelnd fühlt es so süßen Schmerz,
Und die Erde, die Mutter, so schön und bleich,
Küßt das Kindlein und läßt’s nicht los,
Zieht es herzinnig in ihren Schoß
Und bettet es drunten gar warm und weich,
Still unter Blumen und Moos. –

„Und was weint ihr, Vater und Mutter, um mich?
In einem viel schöneren Garten bin ich,
Der ist so groß und weit und wunderbar,
Viel Blumen stehn dort von Golde klar,
Und schöne Kindlein mit Flügeln schwingen
Auf und nieder sich drauf und singen. –
Die kenn ich gar wohl aus der Frühlingszeit,
Wie sie zogen über Berge und Täler weit
Und mancher mich da aus dem Himmelblau rief,
Wenn ich drunten im Garten schlief. –
Und mitten zwischen den Blumen und Scheinen
Steht die schönste von allen Frauen,
Ein glänzend Kindlein an ihrer Brust. –
Ich kann nicht sprechen und auch nicht weinen,
Nur singen immer und wieder dann schauen
Still vor großer, seliger Lust.“

2

Als ich nun zum ersten Male
Wieder durch den Garten ging,
Busch und Bächlein in dem Tale
Lustig an zu plaudern fing.

Blumen halbverstohlen blickten
Neckend aus dem Gras heraus,
Bunte Schmetterlinge schickten
Sie sogleich auf Kundschaft aus.

Auch der Kuckuck in den Zweigen
Fand sich bald zum Spielen ein,
Endlich brach der Baum das Schweigen:
„Warum kommst du heut allein?“

Da ich aber schwieg, da rührt‘ er
Wunderbar sein dunkles Haupt,
Und ein Flüstern konnt ich spüren
Zwischen Vöglein, Blüt und Laub.

Tränen in dem Grase hingen,
Durch die abendstille Rund
Klagend nun die Quellen gingen,
Und ich weint aus Herzensgrund.

3

Was ist mir denn so wehe?
Es liegt ja wie im Traum
Der Grund schon, wo ich stehe,
Die Wälder säuseln kaum
Noch von der dunklen Höhe.
Es komme wie es will,
Was ist mir denn so wehe –
Wie bald wird alles still.

4

Das ist’s, was mich ganz verstöret:
Daß die Nacht nicht Ruhe hält,
Wenn zu atmen aufgehöret
Lange schon die müde Welt.

Daß die Glocken, die da schlagen,
Und im Wald der leise Wind
Jede Nacht von neuem klagen
Um mein liebes, süßes Kind.

Daß mein Herz nicht konnte brechen
Bei dem letzten Todeskuß,
Daß ich wie im Wahnsinn sprechen
Nun in irren Liedern muß.

5

Freuden wollt ich dir bereiten,
Zwischen Kämpfen, Lust und Schmerz
Wollt ich treulich dich geleiten
Durch das Leben himmelwärts.

Doch du hast’s allein gefunden
Wo kein Vater führen kann,
Durch die ernste, dunkle Stunde
Gingst du schuldlos mir voran.

Wie das Säuseln leiser Schwingen
Draußen über Tal und Kluft
Ging zur selben Stund ein Singen
Ferne durch die stille Luft.

Und so fröhlich glänzt‘ der Morgen,
’s war als ob das Singen sprach:
Jetzo lasset alle Sorgen,
Liebt ihr mich, so folgt mir nach!

6

Ich führt dich oft spazieren
In Wintereinsamkeit,
Kein Laut ließ sich da spüren,
Du schöne, stille Zeit!

Lenz ist’s nun, Lerchen singen
Im Blauen über mir,
Ich weine still – sie bringen
Mir einen Gruß von dir.

7

Die Welt treibt fort ihr Wesen,
Die Leute kommen und gehn,
Als wärst du nie gewesen,
Als wäre nichts geschehn.

Wie sehn ich mich aufs neue
Hinaus in Wald und Flur!
Ob ich mich gräm, mich freue,
Du bleibst mir treu, Natur.

Da klagt vor tiefem Sehnen
Schluchzend die Nachtigall,
Es schimmern rings von Tränen
Die Blumen überall.

Und über alle Gipfel
Und Blütentäler zieht
Durch stillen Waldes Wipfel
Ein heimlich Klagelied.

Da spür ich’s recht im Herzen,
Daß du’s, Herr, draußen bist –
Du weißt’s, wie mir von Schmerzen
Mein Herz zerrissen ist!

8

Von fern die Uhren schlagen,
Es ist schon tiefe Nacht,
Die Lampe brennt so düster,
Dein Bettlein ist gemacht.

Die Winde nur noch gehen
Wehklagend um das Haus,
Wir sitzen einsam drinne
Und lauschen oft hinaus.

Es ist, als müßtest leise
Du klopfen an die Tür,
Du hättst dich nur verirret,
Und kämst nun müd zurück.

Wir armen, armen Toren!
Wir irren ja im Graus
Des Dunkels noch verloren –
Du fandst dich längst nach Haus.

9

Dort ist so tiefer Schatten,
Du schläfst in guter Ruh,
Es deckt mit grünen Matten
Der liebe Gott dich zu.

Die alten Weiden neigen
Sich auf dein Bett herein,
Die Vöglein in den Zweigen
Sie singen treu dich ein.

Und wie in goldnen Träumen
Geht linder Frühlingswind
Rings in den stillen Bäumen –
Schlaf wohl mein süßes Kind!

10

Mein liebes Kind, ade!
Ich konnt ade nicht sagen
Als sie dich fortgetragen,
Vor tiefem, tiefem Weh.

Jetzt auf lichtgrünem Plan
Stehst du im Myrtenkranze,
Und lächelst aus dem Glanze
Mich still voll Mitleid an.

Und Jahre nahn und gehn,
Wie bald bin ich verstoben –
O bitt für mich da droben,
Daß wir uns wiedersehn!

2 Gedanken zu „Werden wir je das Ende…

    • …ui. Daaanke dir, Jana!!! ♥ Schon sooo lange her, dass ich’s schrieb und dank deines Kommentars noch einmal fühle. Würde auch heute nichts ändern wollen an dem Text und freue mich, dass du auf meine Seite und in meine Gedanken gestolpert bist. Hab einen erholsamen Feierabend und sei lieb gegrüßt. 🙂 Elli

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